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Bodenstown 1999
Wir wollen Rekruten, weil wir uns der Berechtigung unserer Sache gewiß sind

Der folgende Text ist die ungekürzte Hauptrede beim jährlichen Wolfe-Tone-Gedenken in Bodenstown, das von Republican Sinn Féin am 13. Juni organisiert wurde. Die Ansprache wurde von Marian Price, einer ehemaligen republikanischen Gefangegen und Hungerstreikerin gehalten.

Marian Price und ihre Schwester Dolores gehörten der Provisorischen Bewegung an und verbrachten 167 Tage im Hungerstreik. Sie wurden von den Briten in den Gefängnissen von Brixton und Durham durch Schläuche, die ihnen in die Gurgeln gestopft wurden, zwangsernährt, ehe sie ihre Kampagne erfolgreich beendeten und im März 1975 in das Gefängnis von Armagh verlegt wurden.

A chairde,

Fáilte romhaibh go léir. Republikaner und Freunde, ich fühle mich durch die Einladung, heute hier am Grabe von Theobald Wolfe Tone, dem "Vater des Irischen Republikanismus", die Gedenkansprache halten zu dürfen, geehrt und ausgezeichnet. Als Republikaner versammeln wir uns nicht nur, um das Andenken unserer gefallenen Vorgänger und Genossen zu festigen und zu ehren - so bedeutend diese Aufgabe auch sein mag -, sondern auch, um Kraft und Inspiration aus ihrem Leben und ihrem Tod zu ziehen und dem Erbe, das sie uns hinterlassen haben, die Treue zu schwören. Aus ihren Opfern können wir historische Lehren ziehen, von ihnen die Ideale und patriotischen Prinzipien übernehmen, die es auch heute noch aufrechtzuerhalten gilt.

Diese spezielle Feier hier ist eine voll mächtiger Symbolik und historischer Bedeutung für den Geist und die Traditionen des irischen Republikanismus. Wenn wir heute hier stehen, sind wir uns der vorangehenden Generationen von Republikanern bewußt, die ihre jährliche Pilgerfahrt hierher, zu diesem geheiligten Platz, machten, und ich bin zutiefst bewegt, wenn ich an jene herausragenden Patrioten denke, die am Grabe von Wolfe Tone seine Ideale und Opfer priesen. In diesem Kirchhof erklärte Patrick Pearse am 22. Juni 1913 in seinem Tribut an den Führer der United Irishmen:

"Obwohl viele vor ihm und einige nach ihm starben, um Zeugnis abzulegen von der Berechtigung des irischen Anspruchs auf die Bildung einer Nation, war Wolfe Tone doch der größte unter denen, die dieses Zeugnis ablegten, der größte unter all jenen, die für Irland starben, ob in den alten Zeiten oder in der Gegenwart. Er war der herausragendste unter den irischen Nationalisten. Ich glaube, er war der größte Sohn Irlands überhaupt. Und wenn ich damit recht habe, dann habe ich recht damit, wenn ich erkläre, daß wir hier am heiligsten Platze Irlands stehen, denn es muß die heiligste Erde einer Nation sein, in der der größte ihrer Toten begraben liegt. Seinen Lehren verdanken wir es, daß es einen irischen Nationalismus gibt, und dem Gedenken seiner Tat, zu der er seine Generation bewegte, dem Gedenken an 1798, danken wir, daß noch Mut in Irland lebt. Denkt an Tone!"

Marian Price

In der Tat - ein hohes Lob von einem Mann, der selbst eine Ikone des Repubikanismus werden sollte. Welche größere Ehre kann wohl einem irischen Republikaner zuteil werden als einer solchen beredten und bewundernden Erinnerung teilhaftig zu werden aus dem Munde eines derartigen Kolosses der irischen Geschichte wie Patrick Pearse.

Wolfe Tones politische Ideologie und seine Ziele wurden in der Epoche der Aufklärung geschmiedet. Es was eine Epoche, in der die Philosophen die Meinung vertraten, daß es etwas gemeinsames zwischen allen Menschen gab, das wichtiger wäre als alle Unterschiede zwischen ihnen. Sie proklamierten, daß jeder ein Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück habe, und daß die beste aller sozialen Ordnungen jene wäre, die die Freude des Menschen vergrößere und sein Leid minimiere. Die Philosophen erklärten, daß der Staat eine Gemeinschaft von Individuen wäre, die zusammenlebten, um den eigenen Wohlstand zu mehren und zu sichern, und daß der Herrscher die Pflicht habe, durch auf der Vernunft beruhende Maßnahmen, den größten Wohlstand für alle Bürger des Landes zu sichern. Dies war in ihren Augen der Gesellschaftsvertrag, der die Völker vereinigte und die rechte und Pflichten der Herrscher und aller Bürger bestimmte.

Inspiriert von den Philosophen, der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, dem Krieg gegen England, Thomas Paines Menschenrechten und der Französischen Revolution, gründeten Theobalde Wolfe Tone und seine Genossen unter dem Banner von "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" 1791 die Gesellschaft der United Irishmen, um eine humane, gerechte und demokratische Gesellschaft in Irland zu errichten. Als Feinde jeder auf Gleichheit beruhenden Gesellschaft erkannten sie die Britische Krone und die königliche Familie, die anglikanische, privilegierte, aristokratische und landbesitzende Ascendancy, die Church of Ireland, die ihren Willen Angehörigen anderer Religionen oder Nichtgläubigen aufzwang, das undemokratische und nicht-repräsentativ gewählte Dubliner Parlament im College Green, das die letzte Stütze der Ascendancy war, und das wohl beleidigendste physische Symbol britischer Herrschaft in Irland: Die Verwaltung in Dublin Castle. Die Verwalter dieser korrupten, tyrannischen Gesellschaft waren die mächtigen Marine- und Militärkräfte, die der Krone unterstanden und durch Hilfstruppen wie die Yeoman oder die Miliz verstärkt wurden.

Anfänglich trachteten die United Irishmen nach einer Reform dieses Systems und setzten ihre Hoffnungen in aufgeklärte Mitglieder der englischen Whigs, von denen sie Unterstützung für ihre Sache erwarteten. Aber ebenso, wie die Bürgerrechtsbewegung meiner Generation in Derry am 5. Oktober 1968 von den Straßen geknüppelt und auf den selben Straßen am "Blutigen Sonntag" des 30. Januar 1972 massakriert wurde, wurden die United Irishmen auf dem Weg der Reform schmerzhaft enttäuscht. Die heutigen Befürworter der "Gleichheitsregelung" sollten erkennen, daß der britische Staatsapparat in Irland jeden Reformversuch abstoßend findet und gegen seinen Befürworter mit Gewalt vorgeht. Irische Geschichte scheint, nebenbei bemerkt, überhaupt nicht eine ihrer starken Seiten zu sein.

Peig Galligan addresses
the crowd on behalf of the
National Graves Association,
who maintain Wolfe Tone's grave.

Angesichts der entschlossenen Weigerung der britischen Regierung, die Penal Laws aus dem Gesetzbuch zu streichen, sah sich die Gesellschaft der United Irishmen vor einem Dilemma. Sollten sie den Kampf für die Demokratie einstellen, oder zu den Waffen greifen, um sie zu erkämpfen? Es ist der ewige Verdienst, daß Tone und seine Genossen trotz der politischen und mitliräischen Stärke des Feindes für die Revolution optierten. Traurigerweise aber wählten einige ihrer alten Freunde und Mitkämpfer einen anderen Weg und standen ihnen während des Aufstandes '98 bewaffnet gegenüber. Ins Zentrum der Philosophie der United Irishmen rückte nach den gescheiterten Reformversuchen das Konzept des Separatismus, also das der vollständigen Lösung der Verbindungen zwischen Irland und Britannien. Tone war entschlossen und unzweideutig, als er erklärte:

"Die Verbindung mit England zu brechen, diese niemals endende Quelle all unserer politischen Übel, und die Unabhängigkeit meines Landes zu erreichen - das waren meine Ziele. Das gesamte irische Volk zu vereinen, die Erinnerung an alle vergangenen Unstimmigkeiten zu beseitigen und den gemeinsamen Begriff 'Ire' an Stelle der Bezeichnungen Protestant, Katholik oder Dissenter zu setzen - das war mein Weg."

Das war der unsterbliche politische Wille und das Testament jenes Mannes, dessen Erbe wir heute hier gedenken, Theobalde Wolfe Tone, des Demokraten, sekulären Politikers, Humanisten, Separatisten, revolutionären republikanischen Soldaten. Was würde dieser Mann, der Generationen von Noblen und Tapferen inspiriert hat, ihre Leben dem Ziel der souveränen unabhängigen irischen Republik zu weihen, zur heutigen irischen Gesellschaft sagen? Ist dieses Irland die Erfüllung seiner Hoffnungen und Sehnsüchte?

Der sogenannte "keltische Tiger" im Süden wird von Ökonomen und der Europäischen Union als Modell für die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung gepriesen. Aber trotz einer unbestrittenen Zunahme des Lebensstandards und des Wohlstands, besonders in den letzten 15 Jahren, bleiben Armut und Ungleichheit weitverbreitete Übel. Über 190.000 Menschen sind arbeitslos. Die Wohnungsnot ist chronisch, und der Graben zwischen Arm und Reich verteift sich. Die irische Kultur wird von einem anglo-amerikanischen Medienbombardement mit Seifenopern und entsprechenden Inhalten überschwemmt. Weite Teile unserer Bevölkerung, inklusive Bertie Ahern und die Abgeordneten in Leinster House, sind auf die Aktivitäten eines britischen Fußballklubs fisiert. Die Souveränität des 26-County-Staates wird tagtäglich von der Europäischen Union unterhöhlt, deren gesamte Kommission vor kurzem wegen Korruption und Nepotismus den Hut nehmen mußte.

Die jüngsten Sonderermittlungen über ähnliche Mißbräuche in den höchsten Schichten des politischen und gesellschaftlichen Establishments erinnern wohl kaum mehr an den edlen Idealismus, der 1798 die United Irishmen beflügelte. Die Neutralität wird verhandelt, um den Wünschen der NATO zu entsprechen. Arbeiterviertel in Dublin, Cork und Limerick werden durch eine Flut von Drogendelikten- und händlern devastiert. Auf der Filmleinwand wird ein berüchtigter Gangsterboß verklärt, während in den Städten alte Menschen eingeschüchtert, terrorisiert, geschlagen und ausgeraubt werden. Und in der Zwischnezeit sitzt die Dubliner 4 Seóinin-Gesellschaft da und wartet voller Hoffnung auf den ersten Staatsbesuch eines britischen Monarchen in ihrer Mitte und träumt von einer Rückkehr in den Commonwealth via der Mechanismen des geplanten Britisch-Irischen Rates.

Nördlich der von den Briten erzwungenen Grenze beweisen die Morde an der Rechtsanwältin Rosemary Nelson und an Elizabeth O'Neill in Portadown, daß das Stormont-Übereinkommen keinen radikalen Wandel herbeigeführt hat. Der "nördliche nationalistische Alptraum", dessen Ende durch einen anglo-irischen Vertrag uns Garret Fitzgerald 1985 versprochen hat, bleibt Teil unseres Alltagslebens. Die Belagerung der Bewohner der Gwarvaghy Road ist eine deutliche Mahnung, daß Nord-Armagh eine Brutstätte des sektiererischen Hasses geblieben ist, so, wie er sich in Tones Tagen in den mörderischen Aktivitäten der Peep-o-day-Boys und der Entstehung des rassistischen Orange Order gezeigt hat.

Caoimhín Mac Cathmhaoil,
Gaillimh, lays the wreath at
Wolfe Tone's grave

Die jüngste britische/Frei-Staatsinitiative, das Stormont-Übereinkommen, ist ein dreiteiliges Paket, das fest auf den Fundamenten der gemeinsamen Britisch-Leinster-House-Strategie des Jahres 1973 beruht. Politisch bietet es weniger als Sunningdale. Vor kurzem erklärte ein Sprecher der Provisionals, daß "David Trimble durch sein Beharren auf der Entwaffnung [der IRA] drohte, das niederzureißen, was in 30 Jahren aufgebaut worden ist".

Zu behaupten, daß die Republikaner und Nationalisten, die in den letzten drei Dezennien gelitten, gekämpft und gefallen sind, dafür alle Opfer brachten, um durch die Portale eines neu hergerichteten Stormont zu schreiten, die Artikel 2 und 3 der Frei-Staats-Verfassung aufzugeben und einen Britisch-Irischen Rat zu erreichten, der den englischen Einfluß auf die 26 Counties ausdehnen soll - das ist eine Blasphemie und ein Betrug. Um auch noch die Beleidigung hinzuzufügen, mußten wir auch noch die Erklärung von Mr. Francie Molloy [von den Provisionals] anhören, der am 28. März 1999 der Sunday Times erklärte:

"Wir sind bereit, an der Exekutive mizuarbeiten. Wir sind wirklich bereit, für die absehbare Zukunft die britische Herrschaft in Irland mitzuverwalten. Das gesamte Prinzip der Teilung wird von uns akzeptoert - hätten die Unionisten all das in den 20er Jahren bekommen, hätten sie gelacht".

Als Antwort auf diese Häresie zitiere ich aus Patrick Pearses Rede am Grab von O'Donovan Rossa am 1. August 1915:

"Wir kennen nur eine Definition von Freiheit: Das ist Tones, Mitchels, Rossas Definition. Niemand möge die Sache, der die toten Generationen Irlands dienten, dadurch entweihen, daß er ihr einen anderen Namen gäbe als diesen."

Unsere Kritiker werden uns attackieren indem sie uns vorwerfen, daß wir die Wünsche des Volkes, die im Referendum 1998 ihren Ausdruck gefunden haben, ignorieren. Wir antworten darauf: So wie 1922 hat das Volk, massiv von Regierungsagenturen beeinflußt, nicht notwendig für die vorgerschlagenen politischen Struktiren gestimmt, sondern "für den Frieden" und "für das Ende der Gewalt". Angesichts der großen Leiden des Volkes ist das eine verständliche und natürliche Reaktion. Auch die Republikaner sehnen sich nach Frieden, besonders, wenn wir an das Schicksal der Kinder denken. Wir wissen alles über den Tod, das Leiden, alle Beschwernisse des Lebens und der Einkerkerung. Dennoch werden wir nicht um den Preis des Friedens die Zerstörung unserer Prinzipien, Integrität und unserer gesamten Ideologie dulden.

Mit-Republikaner! Ich rufe Euch auf, unsere Jugend im Sinne eines Stolzes und eines Verständnisses für die Opfer ungezählter Generationen von Frauen und Männern zu erziehen, die die Sache der irischen Freiheit verfolgten. Erklärt ihr die Fehler der Vergangenheit und kultiviert in ihr die Verbundenheit mit den grundlegenden republikanischen Prinzipien. Noch einmal möchte ich die Schriften Patrick Pearses zitieren, um Mr. Francie Molloy an seine Fehler zu gemahnen. Am Weihnachtstag des Jahres 1915 schrieb er:

"Wenn ich den Glauben Tones nicht teile und Tone kein Herätiker war, dann bin ich es. Wenn Tone sagte: 'Zerbrecht die Bindung an England' und ich sage: 'Haltet die Bindung an England aufrecht', predige ich vielleicht ein vernünftigeres Evangelium als seines, aber ich predige offensichtlich nicht das gleiche Evangelium".

Das waren die prophetischen Worte von Patrick Pearse.

Ich sagte bereits, daß der Bodenstown-Sonntag ein bedeutendes Datum im republikanischen Kalender ist. Er weckt Erinnerungen an die jährlichen Reisen hierher in den früheren Tagen. Erinnerungen werden aufsteigen an eure Eltern und Großeltern, Freunde aus der Kindheit, Waffenbrüder, Erinnerungen an die Kameradschaft in den Internierungslagern und Gefängnissen. Jedes Jahr treffen wir einander hier, um unseren Glauben und unsere Loyalität zum Erbe der toten Patrioten zu bekennen.

Seosamh Ó Maoileoin, Westmeath,
chairs the ceremony.

Für mich persönlich weckt dieser Tag Erinnerungen an meine Mutter und meinen Vater, und an meine Tanten, Bridie und Maureen Dolan. Die Teilnahme an solchen Ereignissen wie dem jährlichen Wolfe-Tone-Gedenken war wichtig für Bridie, vor allem angsichts der schweren Verletzungen, die sie im Kampf um die irische Sache erlitten hatte. Es war eine große Quelle psychischer Kraft für sie mitzuerleben, daß die Sache, der sie so viel geopfert hat, weiterlebt und die Flamme der Freiheit von den neuen Generationen weitergetragen wird. Wie bitter enttäuscht wäre sie heute. Mit Trauer denken wir an die große Zahl ehemaliger Kampfgefährten, die früher mit uns von Sallins zu diesem Kirchhof marschierten, aber nun einen anderen politischen Weg beschreiten.

Die Geschichte Irlands seit der Teilung gibt im Überfluß Beispiele dafür, was aus diesen ehemaligen Republikaner wurde, die "das System benutzen wollen, um das System zu stürzen." Cumann na nGaedheal, Fianna Fáil, Clann na Poblachta und die Workers Party gingen im Zuge dieses Versuchs mit Sack und Pack zum Establishment über und sind heute tief in der Teilungsideologie verwurzelt. Wenn wir tagtäglich die Provisionals beobachten können, wie sie in Stormont vor den Statuen von Carson und Craigavon herumstolzieren und komfortabel unter den Augen Engalnds ihre Sitze einnehmen - erleben wir da nicht die neueste Verstärkung für den Club der politischen Opportunisten?

Es ist schmerzhaft für uns, auf die letzten 30 Jahre zurückzublicken: so viele junge Leben der Sache der Freiheit geopfert; die geistigen und körperlichen Drohungen und Erniedrigungen in den Verhörzentren der britischen Armee und der RUC; die unschuldigen Opfer - alte wie junge - von grausamer sektiererischer Gewalt; die Kinder, niedergestreckt von den Gummi- und Plastikgeschossen der Kronstreitkräfte; die langen Jahre in Gefängniszellen und Internierungslagern, losgerissen von Familien und Freunden; das Massaker des Blutigen Sonntags; den Mut und die Integrität der zehn H-Block-Märtyrer, die die Aufmerksamkeit der Welt auf sich lenkten und selbst den Respekt ihrer unerbittlichsten Feind errangen.

Ja - es ist schmerzhaft, wenn nach so vielen Opfern und Kämpfen ehemalige Kameraden zum politischen System Britanniens überlaufen, sich willfährig an Institutionen anpassen, die immer Symbole der Tyrannei und der Unterdrückung waren und es immer bleiben werden, offen verkünden, daß sie für absehbare Zeit die britische Herrschaft mitverwalten wollen und ihre Schecks vom Britischen Schatzamt erhalten. "Wofür starben die Söhne Róisins"?

Blickt auf die Spaltung unserer Bewegung in den Jahren 1969/70 zurück. Die Taktik und Strategie des Politbüros am Gardner Place - die Aufgabe des Abstentionismus, die Teilnahme an den zwei Teilungsparlamenten und die Durchsetzung des Konzepts der "Breiten Front" -, die wir vehement bekämpft haben, wird heute unter dem gestohlenen Banner von Sinn Féin umgesetzt. Allerdings hatten sogar unsere früheren Verbündeten am Gardiner Plac genug Verstand, ihren Namen zu ändern und den Anspruch aufzugeben, Republikaner zu sein.

Mit-Republikaner, es ist eine Pflicht, daß wir unser Programm bekräftigen - in den Worten, die Patrick Pearse wählte, als er beobachten mußte, wie John Redmond und seine Partei die nationalen Ideale aufgaben und schließlich fallen ließen:

"Täuschen wir uns nicht darüber, was Tone wollte und was uns zu tun bleibt. Tone hat es für uns ausgesprochen... Zu dieser Definition und diesem Programm erklären wir erneut unsere Gefolgschaft. Wir schwören, so wie Tone schwur, und hier, an dieser geheiligten Stelle, legen wir diesen Eid erst dann ab, wenn wir uns selbst so sicher sind, daß wir diesen Eid auch halten werden: Wir schwören, daß wir dem Weg Tones folgen werden, daß wir nicht ruhen werden, bis die Aufgabe erfüllt ist... Wir werden unser Ideal niemals reduzieren, wir werden uns kein Jotta und keinen Punkt von unserem Recht abhandeln lassen, wir werden dem Vermächtnis und der Inspiration Tones treu bleiben, und wir werden uns solange darüber Rechenschaft gewähren, solange wir das Übel ertragen müssen, gegen das Tone mit seinem Blute Zeugnis abgelegt hat".

Abschließend möchte ich noch einmal unterstreichen, wie wichtig die politische Vorhersage Patrick Pearses im Lichte der heutigen Situation ist. Im Mai 1915 schrieb er:

"Wir wollen Rekruten, weil wir uns der Berechtigung unserer Sache gewiß sind. Wir haben keine Schwankungen, keine Selbstzweifel. Während andere zweifelten, zögerten, sich in ihrer Haut unwohl fühlten, waren wir im Frieden mit unserem Bewußtsein. Die jüngste Zeit der Gewissenserforschung war für uns keine Zeit des Schreckens. Wir sahen unseren Weg in völliger Klarheit. Wir gingen ihn in völliger Freiwilligkeit: 'Ich kann nicht anders'. Was immer die Gewissenserforschung der anderen irischen Parteien erbringen mag - wir schreiten in der ruhigen Gewißheit voran, daß wir dem klaren, reinen, geraden Weg folgen. Wir haben die Stärke und den Seelenfrieden derjenigen, die kompromißlos sind".

Go raibh mile maith agaibh go léir.

Republican SINN FÉIN